Heute habe ich mir Gedanken über die Verbindung zu meinen Kindern gemacht, da ich mit der Jüngsten im Bad war und gerne wollte, dass sie sich anzieht und wir dann zum Frühstück gehen können.

Wir hatten keinen Zeitdruck, aber ich wollte jetzt auch nicht mehr so ewig damit zubringen. Da habe ich plötzlich angefangen, das was ich wollte, rhythmisch zu sprechen.

Musik und Spiel

Da wir gerade einen OnlineKongress zum Thema „Familie Spiel & Musik“ vorbereiten, fiel mir auf, was ich gerade machte: Ich benutzte Musik, um die Botschaft an das Kind rüberzubringen. Dabei habe ich jetzt kein Lied erfunden oder ein Instrument gespielt, oder gesungen. Einfach rhythmisch gesprochen: „Ich brau-che dich jetzt an-ge-zo-gen, brau-che dich jetzt an-ge-zo-gen…“. Die Wirkung war phänomenal. Das Kind war wie gebannt und hing an meinen Lippen und konnte quasi nicht widerstehen, sich anzuziehen und mir in die Küche zu folgen.

Als ich es beim Frühstück Juliane erzählte und ihr vormachte, wie ich gesprochen habe, da hing meine Tochter wieder an meinen Lippen und war wieder gebannt. Da ging mir ein Licht auf: Die Hürde, die manche Menschen mit Musik empfinden mögen, könnte vielleicht genommen werden, wenn man sie mit dieser einfachen Technik vertraut machen würde. An dieser Stelle beginnt schon die Musik und ihre Wirkung. Das kann wirklich jeder!

Bezüglich der Verbindung habe ich mir dann noch weitere Gedanken gemacht und will das hier kurz vorstellen:

Abstand / Raum geben

Am allerwichtigsten ist meines Erachtens, dass man der anderen Person den Raum gibt, den sie braucht (um sich zu entfalten). Das ist nicht so selbstverständlich wie wir vielleicht annehmen, denn sehr oft verwechseln wir unsere Vorstellung von dem, wie wir uns unser Gegenüber vorstellen, damit, wie der Andere wirklich ist. Einen gewissen Abstand, bzw. einen Raum zwischen uns zu bringen, kann helfen. Dann behalten wir unsere Vorstellung, wie wir es wollen und vielleicht für gut befinden würden, für uns, und können den Anderen besser sehen in dem, wie er wirklich ist und sich äußert.

Sich selbst den Raum geben heißt für mich auch, nicht mehr nur zu reagieren, sondern zu agieren. Das bedeutet, ich gebe mir die Chance, Entscheidungen zu treffen, um meine Verantwortung für mein Sprechen und Handeln zu übernehmen.

Das kann ich nur, wenn ich „nicht reagiere„.

So sein lassen

Das geht fließend in den zweiten Gedanken über: Den Anderen so sein lassen. Na klar, denken wir. Aber nur, wenn er das auch so macht, wie ich es mir vorstelle – kommt es dann öfter dazwischen, als wir denken. Lasst uns einfach mal ein paar Beobachtungen anstellen, wie oft wir unsere Gegenüber wirklich so sein lassen, wie sie sind, wie sie denken, wie sie empfinden.

Aber genauso, wie wir uns das für uns am besten vorstellen, sollten wir es auch den Menschen, mit denen wir in einer – gleich welcher – Beziehung sind, zugestehen.

Auf Augenhöhe

Das ist tatsächlich manchmal nicht so einfach zu verstehen, aber doch sehr sehr wichtig. Ein Kind, was sich nicht gesehen fühlt und seine Anliegen nicht auf Augenhöhe behandelt werden, wird irgendwann kaum noch kooperieren. Oder es geht kaputt daran und die Frage nach seiner geistigen Gesundheit stellt sich dann.

Jesper Juul formuliert es in seinen Büchern so schön; eines trägt sogar den Titel: „Leitwolf sein“. Wie ein Leuchtturm. Wir Großen entscheiden am Ende, wie wir eine Sache oder ein Vorhaben umsetzen. Wir treffen eine Entscheidung, weil wir nicht nur den Willen, sondern auch das Wohl des Kindes (und unser eigenes) im Blick haben müssen. Und wenn wir Großen uns sicher sind mit unserer Entscheidung, dann wird es von den Kindern auch getragen. Aber das heißt nicht, dass wir nicht die Anliegen und Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen der Kinder anhören können! Wir können ihnen ja einfach den Raum geben, sie zu formulieren. Sie dafür nicht verurteilen, sondern einfach anhören. Womit wir schon beim nächsten Gedanken sind…

Ich höre, was du sagst!

Ihnen zuhören! Einfach nichts sagen, sondern aufmerksam zuhören. Das fällt uns Großen schon manchmal schwer. Wir haben so viel Erfahrungen gesammelt (und wollen unseren Kinder im besten Falle vor „schlechten Erfahrungen“ beschützen), dass wir vergessen, dass unsere Kinder ebenso Erfahrungen sammeln müssen, um gut durchs Leben zu kommen. Manchmal verwechseln wir ausserdem Wissen mit Erfahrung. Wir können uns aber eigentlich nur wirklich entwickeln, wenn wir Erfahrungen sammeln können. Wenn uns jemand von seinen Erfahrungen berichtet, dann haben wir eine Information bekommen. Dann hat sich unser Wissen eventuell vergrößert. Aber es hat zu keiner Erfahrung geführt.

Wir haben so viel Leben hinter uns und das macht uns manchmal etwas arrogant darin, dass wir denken, wir wüssten es besser. Oder wir wüssten besser, wie das Kind sich fühlt, was es will, was es uns mitteilen will. Aber um das wirklich herauszufinden, sollten wir einfach nur hören.

Authentizität

Authentizität bedeutet „Echtheit“. Jetzt kommen wir in den Bereich, die eigenen Werte zu hinterfragen. Beziehungsweise sich damit überhaupt zu beschäftigen. Sehe ich es als wertvoll und für mich erstrebenswert an, „echt“ zu sein? Im Gegensatz zu „Schein“, einen „Schein zu wahren“? Wieviel lasse ich von mir an die Welt da draußen heraus? Damit sie mich in meinem Sein auch wahrnehmen kann? Erst mit möglichst viel Authentizität ist ja eine wirkliche Verbindung möglich.

Integrität

Womit wir beim nächsten Wert sind. Also, „Übereinstimmung des Handelns mit den eigenen Werten“. Schließt irgendwie direkt an den vorangegangen Punkt an. Erst wenn mein Handeln und meine Werte weitestgehend übereinstimmen, kann ich auch „ernstgenommen“ werden, oder? Wenn ich von etwas spreche, was für mich wertvoll, oder mir wichtig ist, selbst aber nicht so handele, dann kann mein Gegenüber ja gar nicht entscheiden, auf was er sich beziehen soll.

Das einzige, was Kinder die ganze Zeit machen, ist, herausfinden zu wollen, wer wir eigentlich sind. Also wäre es gut, ihnen eine stimmige Version anzubieten!

Spiel / spielerisch

Im Einleitungstext habe ich vom spielerischen Aspekt der Begegnung gesprochen. Ich glaube, das ist nach aller Reflexion und allem Hinterfragen und kognitiver Herangehensweise noch ein wichtiger Aspekt. In letzter Zeit habe ich mir angewöhnt, alles was mir begegnet, als Spiel zu betrachten.

Früher hat es sich auch manchmal so angefühlt, allerdings mit der Einschränkung, dass ich scheinbar die Spielregeln nicht verstanden habe. Als würden alle wissen, wie es geht, nur ich nicht. Mittlerweile verstehe ich, dass es ein Thema von Verantwortung und Verantwortung übernehmen ist. Das habe ich irgendwann kennengelernt und bin auch heutzutage immer noch dabei, herauszufinden, was es genau bedeutet. Und in welchen Bereichen meines Lebens ich noch mehr Verantwortung übernehmen kann.

Wenn es mal wieder schwerfällt: Ein bisschen Abstand nehmen, und sich dann auf spielerische Art und Weise wieder begegnen. Dann löst sich alles, was eben noch problematisch war, in Luft auf!

Am Schluß noch das in meinen Augen Wichtigste; und gleichzeitig die größte Herausforderung:

In Verbindung zu dir selbst kommen!

Nur wenn man in Verbindung zu sich selbst ist, dann kann man auch in Verbindung mit anderen treten. Wie soll es gehen, wenn ich nicht weiß, wie es mir geht, wenn ich keine Ahnung davon habe, was gut für mich wäre, wenn ich nicht weiß, was ich in meinem Leben nicht haben möchte? Wenn mir nicht klar ist, wieviel Kraft und Aufmerksamkeit ich noch habe, oder wann besser etwas Ruhe und Erholung brauche? Wie soll ich dann in Verbindung mit anderen treten können, wenn es mir an bestimmten – essentiellen – Dingen mangelt?

Also, erstmal herausfinden, wie es mir selbst geht, um dann herausfinden zu können, wie es dir geht und welche Lösung wir dann jetzt für unsere Anliegen finden können.

Das ist doch ein schönes Schlusswort!

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