In letzter Zeit höre ich es immer öfter, dass es den Eltern (Vätern?) schwer fällt, mit ihren Kindern zu spielen. Dass sie sich schwer darauf einlassen können und es sich „irgendwie anstrengend“ anfühlt.

Nach einem Gespräch mit Juliane – die etwas ganz anderes von sich berichtet – und einem gestrigen Gespräch zu dritt zusammen mit Andreas Reinke (familyLab), haben sich einige Ideen in mir formiert.

Zielorientiertheit

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Erwachsene; vor allem Männer, und auch ich selbst, eher zielorientiert sind. Das wird möglicherweise jedes Tun durchdringen. Immer wollen wir irgendwohin, etwas erreichen, sind gerade an einem Thema dran, „müssen nachher aber noch“, „nur noch kurz“, etc.

Spiel ist etwas anderes. Spiel ist, sich Treiben lassen. Jedem Impuls folgen. Versinken, Fliessen, Schweben lassen. Eben nicht, irgendwohin wollen. Ich glaube, aus dem Grund fällt es vielen so schwer, sich auf das, was Kinder da fordern (wenn sie mit einem spielen wollen), einzulassen. Wir sollten jegliche Zielorientiertheit fallen lassen. Das ist gar nicht so einfach.

Je kleiner das Kind ist, umso sprunghafter wird das sein.

Das ist aber gerade das schöne. Man kommt beim Spiel an Orten und Begebenheiten vorbei, von denen man nie glaubte, vorbeizukommen. Wahrscheinlich ist das gerade der Sinn (ich such schon wieder nach einem Ziel;-).

Sich einlassen

Wenn das Wesentliche, was unseren Alltag nun ausfüllt (irgendwelchen Zielen hinterher zu jagen), beim Spiel fehlt, ist es kein Wunder, wenn es uns schwer fällt. Es ist quasi eine gute Übung. Eine Übung im Sich-Einlassen. Es geht auch hier um kein Ziel. Vielmehr kann es sein, dass sich viele Symptome bemerkbar machen, die uns die Möglichkeit geben, zu wachsen. Das können sein: Vermeidung, Stress, Müdigkeit (Aggression), Trauer, Unsicherheit, Ängste.

Diese Symptome sollten wir einfach wahrnehmen und ihnen nicht aus dem Weg gehen.

Druck von aussen

Ein weiteres Phänomen ist mir bewußt geworden: Väter spüren einen ziemlichen Druck.

Ich glaube, das ganze Thema –Familie, Kinder, Erziehung, Spielen – ist sehr weiblich geprägt. Darin haben uns die Frauen einen Vorsprung. Einfach schon daher, weil wir ihnen lange das Feld überlassen haben. Wir fühlen uns darin oft unsicher. Nicht zuletzt werden wir auch verunsichert, weil wir statt „Ich finde es gut, dass du das Kind anders trägst/wickelst/hinlegst, mit ihm anders spielst/sprichst/kommunizierst, anders auf seine Bedürfnisse/Impulse/Äußerungen reagierst“ oft eher hören „mach es lieber so / ich bin hier jeden Tag Stunden mit dem Kind allein, jetzt kommst du… / zieh dem Kind das an, leg es so hin, habe mehr Geduld, erklär ihm mehr, sei nicht so wild mit ihm, gib ihm weniger davon, mehr davon…“.

Meine Erfahrung ist: Viele Väter können einfach nicht mehr. Sie sind total verunsichert. Es ist klar, dass der Vater für das Kind gleich wichtig ist, wie die Mutter. Sie haben einfach verschiedene Beziehungen zu ihrem Kind; von Anfang an. Und gerade diese Verschiedenheit ist es, die für die Kinder total wichtig ist und sie zu authentischen Persönlichkeiten heranwachsen lässt.

Dann tun Männer das, was ihre Väter getan haben: Sie ziehen sich zurück. Entweder emotional oder auch wirklich physisch. Gehen dorthin, wo Ihnen die Anerkennung nicht verwehrt wird: Beruf, Freundeskreis. (Und das, nebenbei, ist natürlich ein Teufelskreis, denn dann sind sie ja wieder weniger da…)

In Bezug auf das Spiel bedeutet das: Beim Spiel sind wir Väter durchaus einem Druck ausgesetzt. Wie machen wir es richtig? Oder, muss ich mit meiner Tochter wirklich Puppen-An-Und-Ausziehen spielen? Es ist immens wichtig, herauszufinden, wie väterliches Spiel sein kann. Und anzuerkennen, dass es (so) sein darf!

Verbindung zu sich selbst

Ein weiterer Zusammenhang ist mir bewußt geworden: Mit dem Kind spielen bedeutet, in Verbindung mit dem Kind treten. Sich in einen Austausch zu begeben, ihm zu begegnen, es anzunehmen.

Aber all das ist meiner Erfahrung nach nur möglich, wenn man in Verbindung mit sich selbst treten kann! Wenn man einen Austausch mit sich selbst hinbekommt, sich begegnen kann, sich annehmen. Klingt ganz einfach, ist es aber nicht. Wir stoßen täglich an diese Grenzen.

Für mich bedeutet das, wenn an diesen Stellen Schwierigkeiten auftreten, dann beinhalten sie auch einen Hinweis auf die entsprechende Wachstumschance. Es ist also nicht „schlecht“, wenn man bei diesem oder jenen an Grenzen stößt, es ist nur ganz einfach der Hinweis, dass sie da sind. Also, wertvoll!

Spielen / Musikalisches Spiel

Wir sind ja nun eine Band mit dem Ziel, authentische, handgemachte Musik in Kinderohren (und am besten in ganze Familienohren) hineinzubekommen.

Auch wir spielen. Wir spielen Musik. Das ist eine schöne Tätigkeit. Juliane berichtet immer wieder davon, wie es ihr geht, wenn sie eintaucht in das Spiel mit den Kindern beim Konzert. In die Lieder, in die Stimmungen. Wie sie mit den Leuten spielt, ohne dass sie es merken. Selbst in Erwachsenen-Konzerten. Die Leute sind dabei; und freuen sich, dass jemand mit ihnen spielt!

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