Ein längeres Gespräch mit einer befreundeten Mutter von zwei Töchtern brachte mich auf den Gedanken, einen Artikel über die verschiedenen Liebesbeziehungen innerhalb einer Familie, bzw. Patchworkfamilie, zu schreiben. Es geht hier weniger um die Liebe an sich, sondern um die verschiedenen Beziehungen zwischen Menschen und deren Farben; innerhalb von Familien.

Verschiedene Liebesbeziehungen

Liebesbeziehungen sind ein interessantes Phänomen, weil man eine „normale“ Familie meist als ziemlich homogenes Etwas betrachtet. So jedenfalls meine Erfahrung. Auch innerhalb der Familie wird oft versucht, einheitlich zu handeln, gleich zu „erziehen“, alles immer zusammen machen zu wollen.
Demzufolge ist auch der Eindruck verbreitet, dass eine Patchworkfamilie nicht „normal“ sei, da sie aus verschiedenen Familien besteht. Aber natürlich ist eine einhäusige Familie – bei der die Eltern nicht getrennt leben – ebenso inhomogen, da die verschiedenen Familienmitglieder und mit ihnen auch ihre jeweiligen Beziehungen unterschiedlich sind.

Grundsätzlich ist erstmal die Überlegung, wer eigentlich zur Familie dazu gehört. Ist es so wie heutzutage oft gelebt: Mutter, Vater, Kind? Gehören Oma und Opa dazu? Was ist, wenn es getrennte Eltern gibt; was, wenn sie eventuell neue Partner haben? Vielleicht haben sie mit dem neuen Partner ein Kind? Oder die neuen Partner bringen eines mit? Tanten, Onkels, Cousinen, Cousins?

Die Klärung dessen lasse ich jetzt mal aussen vor, da es den Artikel bunter machen wird;-) Es muss jeder für sich klären und entsprechend leben.

Selbstliebe

Als erstes steht die Beziehung zu mir selbst. Ihre Qualität resultiert daraus, wie ich mich selbst behandle: Wie sehe ich mich selbst, wie ist mein Selbstbild, mein Vertrauen, wie empfinde ich meine Selbstwirksamkeit, wieviel Glück empfinde ich, welches Wachstum gestehe ich mir zu? Je hochwertiger diese Beziehung ist, umso mehr kann ich von meinen Gaben in die Welt geben. Je besser ich mich selbst wahrnehme und annehmen kann, umso leichter fällt es mir, mit der Welt in Kontakt zu treten und eine Bereicherung für diese zu sein.

Paarbeziehung

Die Beziehung zu mir selbst ist die Grundlage – und wahrscheinlich auch der Schlüssel – für die Qualität jeder anderen Beziehung, die ich eingehe, und damit auch der Paarbeziehung zwischen Mann und Frau (oder Mann-Mann, oder Frau-Frau). Diese ist eine Beziehung zwischen zwei Erwachsenen, für deren Qualität beide zu gleichen Teilen sorgen. Es gilt, diese innerhalb des Familienalltages immer wieder zu pflegen. Sie hängt stark von der Qualität der Beziehungen der beiden Partner zu sich selbst ab.

Beziehung zu den Kindern

Jeder der Partner hat eigene Liebesbeziehungen zu jedem seiner Kinder. Es spielt sicher eine Rolle, ob das Kind ein erstgeborenes ist, mit eventuell traumatischer oder leichter Geburt, in welchem Alter das Kind ist, ob es krank ist, selbstbewußt, still, verletzlich, mit starkem Willen und nicht zuletzt: Wie aufgeräumt der Erwachsene seiner eigenen Vergangenheit begegnen kann, bzw. wie stark alte Verletzungen immer noch wirken und er durch das Verhalten des Kindes an sie erinnert wird.
An dieser Stelle sei daran erinnert, dass der Erwachsene immer zu einhundert Prozent für die Qualität der Beziehung zu einem Kind verantwortlich ist. Niemals das Kind! Dieses wäre mit der Gestaltung der Beziehungsqualität überfordert. Wenn es also etwas gibt, das „besser“ oder „leichter“ sein könnte, dann muss der Erwachsene die Verantwortung dafür übernehmen herauszufinden, an welcher Stelle das Potential für eine Entwicklung dahin liegt und entsprechend handeln. Wenn ihm das nicht gelingt, dann sollte er professionelle Hilfe Dritter in Anspruch nehmen.

Jeder Elternteil hat zu jedem Kind des Partners ein eigenes Verhältnis. Auch diese erinnern ihn vielleicht an Verletzungen aus der eigenen Kindheit. Oder die Beziehung des Partners zu dessen Kindern erinnert ihn an bereits Erlebtes und löst vielleicht Ohnmachtsgefühle, Wut, Verlassensein oder Angst aus.

Liebesbeziehungen der Geschwister

Natürlich haben die Beziehungen der Kinder zu ihren Geschwistern, bzw. zu den Kindern der Bonus-Eltern (ein von Jesper Juul eingeführtes Wort für Stiefeltern, welches das Potential dieser Konstellation deutlicher hervorhebt), eine jeweils eigene Farbe. Meine eigene Erfahrung ist zum Beispiel, dass das ältere Kind abhängig vom jüngeren Geschwisterkind ist. Dass dieses in vielerlei Hinsicht sein Leben lebt, bzw. vorlebt. Das, was das größere Kind sich nicht (zu)traut, übernimmt das jüngere. Oder das ältere, und erstgeborene, das einen Teil seines Lebens nunmal ein Einzelkind war, ist eifersüchtig auf das jüngere. Letzteres nimmt ihm ja durchaus etwas weg (die Eltern). Es nimmt seinen Platz ein. Ist süsser, verletzlicher, braucht mehr Zuwendung, hat weniger Verantwortung.
Das jüngere Geschwisterkind schaut zum älteren auf. Dieses steht in mancherlei Hinsicht auf einer Stufe mit den Eltern. Eventuell ist es auch viel unabhängiger als dieses, traut sich mehr zu als das ältere. Manchmal ist es auch – als Nesthäkchen – abhängiger von den Eltern als die anderen, größeren, Geschwister.

Ablehnung

Meine Erfahrung hinsichtlich der Geschwisterkinder ist auch, dass diese teilweise von großer Ablehnung bestimmt ist.
Meine Tochter erschien später in meinem Haushalt und wurde so von den Söhnen überhaupt nicht akzeptiert. Sie sollte „nicht mehr kommen“. Sie nahm – wieder einmal – einen Raum ein, der vorher exklusiv ihnen gehörte.
Auch hinsichtlich der Bonus-Geschwister. Das taucht manchmal auf, wenn diese nicht da sind. Wenn sie da sind, dann versinken alle in buntem, erfüllendem, nicht endenwollendem Spiel. Hier spielt sicher vor allem der Aspekt der „Veränderung“ eine Rolle. Denn mit genau der gleichen Ablehnung, wird auch dem nahenden Ende der Gemeinsamkeit begegnet. Veränderung ist nicht so der Liebling von Trennungskindern; dem sollte man als Erwachsener immer mit großer Aufmerksamkeit begegnen!

Großeltern und andere soziale Kontakte

Nicht zuletzt kommen natürlich die Liebesbeziehungen der Elternteile zu ihren Eltern, sowie die Beziehung der Kinder zu den Großeltern dazu. Als nächste soziale Kontakte sind sie für die Kinder, als auch die Kinder für die Großeltern, eine große Bereicherung.
Außerdem haben die Beziehungen der Eltern zu ihren Geschwistern, als auch die der Kinder zu den Geschwistern der Eltern eine besondere Farbe.
Als Besonderheit fällt mir noch das Vorhandensein anderer Kinder im Haushalt des getrennt lebenden Elternteils ein. Zu denen haben das Elternteil und die Kinder natürlich ebenso ein eigenes Verhältnis, was im Alltag der Familie allerdings – durch die Abwesenheit der jeweiligen Person – keine große Rolle spielt. Ebenso die Großeltern auf dieser Seite der Familie, und  der getrennt lebende Elternteil selbst, spielen im Familienalltag keine Rolle. Wobei es mit dem Älterwerden hinzukommt, dass telefonisch oder persönlich manchmal Kontakte hergestellt werden und man diese natürlich auch zulassen sollte.

Auf jeden Fall bunt!

Hier in einer Liste als Überblick. Es ist so spannend, wie vielfältig das Ganze ist und diese Vielfältigkeit sollte entsprechend Würdigung erfahren:

Elternteil 1 :: Elternteil 2
Elternteil 1 :: Kind 1
Elternteil 1 :: Kind 2

Elternteil 2 :: Kind 1
Elternteil 2 :: Kind 2

Bonuselternteil :: Kind 1

Elternteil :: Kind des Bonuselternteils

Kind 1 :: Kind 2

Kind :: Kind des Bonuselternteils

Großeltern :: Kinder
Großeltern :: Kinder des Bonuselternteils
Tanten, Onkels :: Kinder
Elternteil 1 :: Großeltern 1
Elternteil 1 :: Großeltern 2
Elternteil 2 :: Großeltern 2
Elternteil 2 :: Großeltern 1

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