Grenzen setzen, die eigenen Grenzen kennen, nicht immer nur Grenzen setzen, ja wie denn nun.

Immer wieder war ich auf der Suche danach, wie ich meine eigenen Grenzen aufzeigen kann, ohne dass das den anderen (z.B. das Kind) verletzt. Im Gegenteil; es vielleicht sogar ein Beispiel sein kann, das ebenso zu tun. Und meine Wahrnehmung dahingehend zu schulen, es auch zu bemerken, wenn das Kind die eigenen Grenzen deutlich macht, um dies dann auch zu achten.

Meine Formulierung macht deutlich, dass es ein andauernder Prozess ist.

Eine neue Idee

Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass die Idee davon noch recht neu ist. Wen hat es vor 50 Jahren interessiert, wenn jemand seine Grenzen gesetzt hat, oder zu seinen Grenzen gestanden hat? Als Mann zum Beispiel. Wenn ein Mann gesagt hätte, das ist mir jetzt zu viel. Oder als Frau. Das wurde ja schon deshalb nicht getan, weil es sich schon wie ein Eingeständnis von Schwäche anfühlt und deshalb vermieden werden wollte.

Dabei ist es ja eigentlich eine Stärke. Die eigenen Grenzen wahrzunehmen und dann auch noch dazu zu stehen.

Nun gibt es ja noch den anderen Fall. Jemand von außen achtet meine Grenzen nicht und trampelt oder popelt permanent daran oder darauf herum. Und es hilft einfach nicht, immer wieder deutlich zu machen: Bis hierhin und nicht weiter! Warum auch immer das so ist.

Sich sichtbar machen

Heute ist mir bewußt geworden, dass es neben dem „Grenzen setzen“ noch eine andere Möglichkeit gibt, den eigenen Bereich deutlich zu machen: Durch Sichtbarmachen.

Wenn ich mich sichtbar für die anderen, z.B. für mein Gegenüber, mache, dann bedeutet das automatisch, dass ich meinen Bereich abstecke. Es wird deutlich, dass der soweit geht, wie meine Sichtbarmachung eben geht. Dann gibt es da auch nichts daran herumzupopeln.

Natürlich bringt das Sichtbarmachen auch mit sich, dass mehr Leute daran irgendwas auszusetzen haben und eventuell sogar Kritik üben. Das ist wahrscheinlich auch ein wesentlicher Hinderungsgrund, warum wir es eventuell vermeiden. Natürlich ist es so: Mehr Leute sehen mich und das, für das ich stehe, also können auch mehr Leute daran Anstoß finden.

Die Kunst ist es, sie dort zu lassen. Dürfen sie ja. Es hat ja nichts mit mir und den Sachen, zu denen ich stehe, zu tun. Es wird davon ausgelöst, aber mehr nicht. Unsere Welten sind eben einfach verschieden. Und das dürfen sie auch sein.

Durch Diversität entsteht Reichtum.

Ich erkenne also auch an, dass die Anderen verschieden sind und lasse sie so sein.

Je sicherer ich mir aber bin mit meinen Werten/Normen/Erfahrungen/Erkenntnissen, mit meinem ganzen Leben und Sein, umso weniger wird es aber Anlass dazu bieten, dass jemand diese Grenze überschreiten wird. Das kann er nur, wenn er meine Unsicherheit spürt.

Grenzen in Bezug auf Kinder

Wenn ich sehr viel damit beschäftigt bin, meine Grenzen aufzuzeigen, und sie werden trotzdem immer wieder missachtet, dann sollte ich vielleicht mal meine Perspektive ändern und auf meine Sichtbarkeit lenken. Was wäre, wenn ich mich mit den Sachen, die mir wichtig sind und die mich ausmachen, nicht verstecke, sondern von Anfang an – früh morgens gleich nach dem Aufstehen, und jedesmal, wenn ich mit irgendwem in Kontakt komme – gleich damit rausgehe.

Ich glaube, die neue Sicherheit werden auch Kinder spüren. Sie weisen uns eh nur darauf hin, an welcher Stelle es bei uns eine Unsicherheit gibt und hinterfragen unentwegt unsere Haltung und Standpunkte. Wenn wir uns der Sache selbst sicher werden und unsere Haltung überprüfen und unsere Standpunkte, dann werden sie keine Fläche mehr zum „Angriff“ bieten.

Ex-Partner

Eine andere Situation taucht gerade in Patchwork-Familien immer wieder auf. Die Ex-Partner – oder auch die Großeltern –popeln ständig am Lebenskonzept und an den Überzeugungen und Gegebenheiten von einem selbst herum. Sie meinen, den Kindern gehe es schlecht, sie wollen den Kindern etwas Gutes tun und wollen vom anderen Erklärungen und Rechtfertigungen. In dem besten Glauben, sie handeln im Interesse der Kinder. Leider vergessen sie dabei: Es sind nur die Wahrnehmungen, die sie von den Kindern haben, wenn sie bei ihnen sind, gefiltert mit ihren eigenen Erfahrungen und Glaubenssätzen. Das ist über drei Ecken.

Meine Wahrnehmung der Kinder ist eine andere. Die kann neben der der Ex-Partner und Großeltern genauso stehen bleiben und hat ihre Seinsberechtigung.

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