Bisher gehörte eine „Entscheidung“ nicht zu meinen Freunden. Ich habe aber schätzen gelernt, dass es genau diese braucht, um weiterzukommen. Früher habe ich immer diese Angst vor Entscheidungen gehabt (und habe sie teilweise immer noch). Ich glaube sogar, es wird ein lebenslanger Prozess, dies Stück für Stück loszulassen.

Nicht-Entscheidung = Leid

Im Gegensatz dazu ist der Zustand von „Nicht-Entscheidung“ eigentlich der leidvolle Zustand. Der Stillstand, der so lebensfern ist. „Nicht-Entscheidung“ heißt, ich bewege mich nicht vor und nicht zurück.

Was könnten die Ursachen für diesen Zustand sein?

Sichtbar werden

Durch eine Entscheidung wird man „sichtbar“. Und damit für andere (an-)greifbar. Wenn ich mich nicht entscheide, dann äußere ich auch nichts, anhand dessen man mich „messen“ könnte. Ich verharre. Wenn ich mich allerdings entscheide, dann werde ich sichtbar und mein Handeln wird messbar. Es könnte sein, dass mich die Angst vor dem Sichtbarwerden – dass ich „angreifbar“ werde – bei Entscheidungen behindern.

Fehler

Das Konzept der „Fehler“ trägt sicher auch dazu bei. Wenn ich glaube, dass „Fehler“ existieren, dann habe ich wahrscheinlich auch Angst, welche zu machen. Ich möchte ja nichts falsch machen. Oder etwas tun, was mir oder jemand anderem schadet. Allerdings vergesse ich dabei, dass es Fehler im Prinzip gar nicht gibt, sondern eigentlich nur Konsequenzen meines Handelns und Wirkens in der Welt. Ich brauche die Konsequenzen meines Handelns, um mich weiterzuentwickeln. Wenn ich wissen will, welche Folge eine Entscheidung hat, dann muss ich mich zu allererst entscheiden.
Danach kann ich ja immer noch schauen, wie ich mit dieser Konsequenz leben kann und ob. Wenn nicht, kann ich mich dann wieder für etwas Neues entscheiden.
Vorausahnen, welche Konsequenzen eine Entscheidung allerdings in aller Vielfalt hat, wird mir als Mensch nicht gelingen. Dafür sehe ich nur einen zu kleinen Ausschnitt aus den Möglichkeiten.

Fehlendes Vertrauen

Vielleicht habe ich schlechte Erfahrungen mit meinen Entscheidungen gemacht. Oder mir wurde nie zugetraut, dass ich (eigene) Entscheidungen treffen könnte. So traue ich es mir nicht zu. Dan bleibt nur zu sagen, dass die Angst ein guter Wegweiser ist. Ich werde die Angst sicher nicht einfach los – was ich gerne möchte –, aber sie leitet mich zu den Themen, die für mich wertvoll sind. Wo es für mich weitergeht. Wenn ich es vermeide, dann werde ich mich davor drücken, mit weiterzuentwickeln.

Übung

Ich kann „Entscheidungen treffen“ üben. Mit kleinen Dingen anfangen. Einfach loslegen. Und sich der Kraft und Tragweite – und meiner Angst davor – bewußt werden. Ich kann auch meine Angst vor dem Ungewissen, was die Entscheidung mit sich bringt, annehmen lernen. Mehr ist nicht notwendig.

0 comments

Schreibe einen Kommentar

*